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Früh- vs Spätgebärend

Lieber früher oder später?

Es gibt einige Dinge auf der Welt, die sich schon seit Jahrtausenden durchsetzten: zum Beispiel, dass die Frauen Kinder bekommen. Das man über den Zeitpunkt selbst bestimmt, ist aber erst seit ein paar Jahrzehnten so. Zu Zeiten, als die Lebenserwartung sehr viel geringer war als heute, wurden Kinder gezeugt, sobald die Pubertät anbrach. Das man heute mit Vierzig noch ein Kind kriegt, wäre damals undenkbar und biologisch fast unmöglich gewesen.
Denn Vierzig sind die meisten Menschen noch vor einhundert Jahren nicht mal mehr geworden. Heute dagegen steht es uns Frauen frei, zu entscheiden, ob wir mit zwanzig oder mit vierzig ein Kind bekommen wollen. Das wir diese Möglichkeit haben, ist angesichts der Entwicklungen in dessen Folge auch Frauen arbeiten gehen dürfen und wollen, absolut von Vorteil. Die Zeit zu haben, ein Kind großzuziehen, wollen sich Frauen häufig nicht nehmen und lieber erstmal ihre berufliche Karriere verfolgen. Karriere und Kind unter einen Hut zu bekommen ist alles andere als leicht und hat zur Folge, dass das Kinderkriegen auf später verschoben wird. Doch auch die neueste Entwicklung von selbstständigen Müttern zeigt, dass Kind und Job durchaus vereinbar sind. Dabei hat es viele Vorteile eher früher ein Kind zu bekommen: die Wahrscheinlichkeit ein gesundes Baby zu bekommen ist im Vergleich zu späteren Müttern deutlich höher. Außerdem ist man meist entspannter im Umgang mit dem Kind, da man noch flexibler und unbedarfter ist, als mit zwanzig Jahren mehr Lebenserfahrung. Viele sehen jedoch auch Vorteile im späten Mutterwerden: Du kannst dein Leben noch länger allein bestimmen, bist nur für dich verantwortlich und kannst herausfinden wer du bist und was du willst. Und wenn du dich ausgelebt und das erlebt hast, wofür du Unabhängigkeit brauchtest, kannst du mit viel mehr Lebensweisheit und damit verbundener Selbstsicherheit ein Kind großziehen.

Wann ist es denn nun günstig?

Und welcher Zeitpunkt ist denn nun der richtige? Die Frage ist so individuell zu beantworten, wie es jeder Mensch ist. Sicher kann man die Vor- und Nachteile abwiegen, aber am Ende muss man selbst entscheiden, wo die Prioritäten liegen. Die Gesundheit eines Babys würde ich mit Abstand als das Wichtigste bezeichnen. Deshalb ist es unumgänglich, sich über die Risiken einer späten Schwangerschaft im Klaren zu sein. Chromosomenstörungen sind nach wie vor wahrscheinlicher mit zunehmendem Alter. Aber auch die Lebenserfahrung und die eigene Persönlichkeit und deren Entwicklung sind ein wichtiger Faktor. Ich habe junge Mütter erlebt, die ihre Kinder einfach Kind sein lassen konnten, weil sie nicht, wie die zehn Jahre ältere Frau neben ihr ständig überall Risiken und Gefahren für ihr Kind sahen. Aber ich hab auch andersherum schon erlebt, wie eine junge Mutter ihr Wunschkind quasi an der Leine hielt, weil sie ständig Sorge hatte, ihr besonderer Schatz könnte sich was tun. Und häufig gibt es späte Mütter, die grade dadurch, was sie im Leben schon erkannt und erlebt haben, ihr Kind so sein lassen, wie es ist während sie es beschützen.

Das gute alte Bauchgefühl

Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben einer Frau und sollte deswegen gut durchdacht sein. Früh ein Kind zu bekommen, weil man das Risiko einer Chromosomenstörung verringern will und weil man ja sowieso irgendwann ein Kind wollte, kann zur großen Belastung für Mutter und Kind werden, wenn die Mama noch gar nicht bereit dafür ist. Meine Mutter sagte allerdings, sie hatte es auch nie geplant und nicht gewusst, ob sie überhaupt bereit war. Sie „hat es einfach gemacht“ , sagte sie mir damals. Als drittes Kind bin ich bis heute überzeugt, dass meine Mama es nicht besser hätte machen können, mit all ihren eigenen Fehlern und Eigenheiten: Ich kann mir keine bessere Mutter vorstellen. Ob meine Geschwister das genauso sehen, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass es eben keine Garantie dafür gibt, dass man bereit ist und ob man es richtig macht. Ich kann euch nur empfehlen: Geht nach eurem Bauchgefühl. Logisch lässt sich diese Entscheidung nicht treffen.