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Wie habe ich das nur überlebt? | Wenn das Baby stündlich wach wird

Das Baby wird stündlich wach | Erfahrungsbericht

Heute war irgendwie eine doofe Nacht. Das Töchterchen hat schlecht geträumt und ist in der Zeit von 20Uhr bis 06Uhr mindestens 6x weinend aufgewacht. Da sie im Familienbett schläft, brauchte ich zum Glück nicht jedes Mal aufstehen, sondern sie einfach nur schnell wieder in den Arm nehmen. Als ich heute morgen dann etwas zerknautscht und zermürbt aufwachte, musste ich an unser erstes Babyjahr denken und wie schon so oft, habe ich mich gefragt, wie ich diese Zeit nur überlebt habe…

Das Baby wird stündlich wach

Das erste Babyjahr war für mich wirklich nicht die schönste Zeit. Oft denke ich, es war sogar das schlimmste Jahr meines Lebens! Unsere Tochter war leider keine gute Schläferin. Ich erinnere mich dunkel, dass ich oft erst weit nach Mitternacht schlafen gegangen bin, um die furchtbare Nacht so kurz wie möglich zu halten. Wenn ich mal 2 oder sogar 3 Stunden am Stück schlafen konnte, fühlte ich mich richtig erholt am nächsten Tag! Doch meistens wurde unser Kindchen stündlich wach, manchmal sogar noch öfter. Monatelang. Hinzu kam, dass mein Mann Nachtschichten schiebt. Ich war also sowohl nachts- als auch tagsüber größtenteils allein. Ich blättere ein bisschen in meinem Notizbuch, um mich zurück in diese Zeit zu versetzen.

Tag 23, Woche 4: “Ich bin so müde und verzweifelt. Mein Freundin sagt mir, dass es nach der 12ten Woche besser wird. Gerade mal ein Drittel geschafft…”

Tag 40, Woche 6: “Die Nacht, in der ich ausflippe”
Ich erinnere mich an diese Nacht. Ich konnte nicht mehr. Das einzige, was ich wollte war: WEG! Ich hatte schon meine Jacke an, und hätte ich es in meiner Aufregung und Panik geschafft, meine Hose anzuziehen, ich wäre gegangen. Mir war alles zu viel, ich hatte keine Kraft und keine Lust mehr. “Nach der 12ten Woche wird es besser….” Immer wieder hörte ich diesen Satz in meinem Kopf und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich diese Nächte noch fast 7 Wochen lang aushalten sollte, ohne das irgendeiner von uns ernsthaften (körperlichen) Schaden nahm. Gleichzeitig plagte mich das Teufelchen auf meiner Schulter noch zusätzlich: “Nicht mal 2 Monate und du verlierst schon die Nerven? Eine tolle Mutter bist du…”

Tag 70, Woche 10: “Ich habe einen mittelschweren Nervenzusammenbruch”

Tag 79, Woche 12: “Ich liebe sie sehr, aber zur Zeit hasse ich das Muttersein. Bin ich dafür überhaupt geschaffen? Kaum sammle ich Kraft, kommt die nächste Herausforderung. Ist das der Rest meines Lebens?!”

Tatsächlich wurde es ab Woche 13 besser. Ich atmete auf, war erleichtert und dankbar. Die harte Zeit ist vorbei, jetzt wird es schön! Nach einem Monat gab es wieder eine schlechte Nacht. “Zum Glück konnten wir so lange auftanken, da lässt sich so eine Nacht mal gut aushalten, ” dachte ich mir. Nach der dritten schlechten Nacht wusste ich, dass die gute Zeit wieder vorbei war.

Tag 142, Woche 21: “Ich finde es furchtbar, wenn ich böse auf sie bin, die Nerven verliere, sie anschnautze. Ich schäme mich dann, fühle mich unzulänglich”

Tag 162, Woche 24: “Ich weine den ganzen Tag, bin so erschöpft und habe Angst vor dem nächsten Tag”, “Mehrfach in der Stunde werde ich wach, die ganze Nacht”

Nichts hat mich so sehr beschäftigt, wie die Suche nach einer Lösung. Ich griff sogar zu einem Schlafbuch (“Schlafen statt Schreien“) und machte alles, was dort empfohlen wurde. Ich hielt mich verbissen an diesem winzigen Strohhalm fest, nur das Ziel vor Augen: endlich wieder länger am Stück schlafen können. Das Ergebnis war, dass ich unseren für alle gut funktionierenden Tagesrhythmus durcheinander brachte und noch mehr Stress zu der eh schon angespannten Stimmung kam. Nach einer Woche warf ich das Buch in die Ecke und habe seit dem nie wieder einen Eltern-Ratgeber angefasst.

In finde ein Schlafprotokoll aus der Zeit:

Einschlafzeit Aufwachzeit
20:05 20:44
20:56 21:36
21:45 23:40
23:45 00:46
01:15 01:21
01:32 02:21
02:43 03:56
04:40 04:43
05:00 08:58

Eigentlich ist das kein Schlafprotokoll, sondern ein Protokoll des Schreckens. Ein Protokoll der Folter. Meine Nerven lagen permanent blank, ich war schnell gereizt, ich fühlte mich ständig überfordert, schon von den kleinsten Dingen. Und ständig das nagende schlechte Gewissen: Warum fällt mir das Muttersein so schwer? Warum höre ich von anderen Müttern “Ich freue mich schon jetzt auf das zweite Kind”, während ich innerlich alles verfluche?  Was ist falsch an mir?

Als die Nächte dann endlich besser wurden, nach ca. 9 Monaten, wurde mir klar, dass ich nicht die schlechteste Mutter aller Zeiten war, sondern einfach nur fertig. Wenn ich so wie heute eine ungute Nacht habe, eine einzige in einem sehr langen Zeitraum, und direkt etwas grantig bin und ungeduldiger, erscheint es mir wie ein Wunder, dass ich fast 300 solcher Nächte, hintereinander weg, überlebt habe. Wie habe ich das geschafft?

Du bist stärker als du denkst

Die Liebe zu meiner Tochter hat mich und uns am Leben erhalten. Der riesige Wunsch, eine gute Mutter zu sein, hat mich dazu gebracht, immer und immer wieder über meine Grenzen zu gehen und körperliche und seelische Erschöpfung auszuhalten. Ich habe meine Tochter nie geschüttelt, sie nie alleine gelassen und nie schreien lassen, weil ich ihre kleine Seele nicht verletzen wollte. Wie habe ich das überlebt? Durchatmen. Immer wieder durchatmen. Und Kraft schöpfen aus dem Glauben, das Richtige für sein Kind zu tun.

Es wird besser. Irgendwann.

Ich habe in dieser Zeit viel gegoogelt. Zum Glück war ich nicht die Einzige mit diesem Problem. Es tat gut, zu lesen, dass es auch andere verzweifelte Mütter gab. Doch viel mehr Hilfe fand ich nicht. Die “guten” Ratschläge wie “raus aus dem Familienbett!”, “abstillen”, “schreien lassen” machten mir nur noch mehr Druck, weil ich mich hin und her gerissen fühlte zwischen meiner Intuition und dem Gefühl, eben doch das Falsche zu machen.

Ein Satz, auf den ich immer wieder stieß war: Es wird besser. Ich habe ihn gehasst, diesen Satz. WANN? WIE? Doch auch mir fällt heute kein besserer ein. Durchhalten und wissen, dass alles vorbei geht – viel mehr kann man nicht machen. Es gibt leider nicht den einen Trick, mit dem die Nächte besser werden.

Nimm dir deine Zeit

Um die Nächte besser zu vertragen, sollte sich frau tagsüber so viele freie Minuten wie möglich organisieren. Und: um Hilfe bitten, Hilfe annehmen. Wir sind alle nur begrenzt belastbar. Sich eine Pause vom Baby nehmen, bedeutet nicht, sein Kind zu verstoßen und eine schlechte Mutter zu sein. Es bedeutet, seine Grenzen zu kennen, rechtzeitig Kraft zu schöpfen, um weiterhin eine gute Mutter zu sein.

Der Austausch mit Müttern, die Ähnliches erleben, kann sehr heilend für die Seele sein. Mit Leidensgenossinnen fühlt man sich weniger falsch und weniger allein.

Und immer daran glauben: Es geht vorüber! Jetzt lachen wir wieder alle mehr, als dass wir weinen 🙂

Wie war euer erstes Babyjahr? Hinterlasst mir doch einen Kommentar mit euren Erfahrungen. Kennt ihr eine frische Mama, die Ahnliches durchmacht? Dann teilt doch gern diesen Artikel – sharing is caring!

Sehr ans Herz legen kann ich euch auch diesen Artikel auf  www.nestling.org – er hat mir damals sehr geholfen!

35 Gedanken zu „Wie habe ich das nur überlebt? | Wenn das Baby stündlich wach wird

  1. Danke! Es ist immer wieder schön zu wissen, dass man mit manchen Dingen nicht alleine ist. Meine zwei (jetzt fast 9 und 4,5 Jahre alt) nenne ich rückwirkend gerne “Schlafterroristen”. Das erste Jahr war ähnlich wie bei euch, teilweise stündliches Aufwachen, auf dem Zahnfleisch laufen auf meiner Seite. Nach dem ersten Jahr wurde es deutlich besser, verlässlich richtig gute Nächte kamen bei beiden erst mit 3 Jahren. Gefühlt habe ich also die ersten 6-7 Jahre meines Mutterseins nicht ordentlich geschlafen. Ich lebe trotzdem noch. 😉

    1. Liebe Steffi, erst mit 3??? Es ist erstaunlich, was wir alles aushalten können… Danke für deinen Kommentar! Für mich war und ist es auch immer sehr hilfreich, zu wissen, dass man sein Leid (ausgehend von den kleinen aber sehr gut geschulten Terroristen) teilen kann.

  2. Oh ja. Wir sind immer noch dabei. Seit 11/2 Jahren und je nach Nacht zwischen 4-nach oben offen… Aber ich mache mich nicht verrückt. Unsere Maus ist Nummer 2 und es kommt keine 3… Und ich weiß das sie älter wird. Der Große schläft traumhaft und irgendwann einmal sie auch. Aber ich bin halt fertig und schneller mal krank… Ich hoffe jede Nacht. 2 Nächte hatten wir schon mal. Also eigentlich könnte sie es…

    1. Wow, Nurit, ich glaube ich hätte keine 2 Jahre lang durchgehalten… Aber irgendwie schafft man es ja dann doch. Ich wünsche dir, dass du ganz bald tiefe und feste Nächte ohne Unterbrechung hast! Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Wencke

  3. Hallo,

    Mein Sonnensohn ist jetzt 6,5 Monate alt und bisher gab es keine Nacht unter drei Stunden Schlaf am Stück. Er musste aufgrund einer Neugeboreneninfektion direkt nach der Geburt auf die Intensiv in ein anderes KH verlegt werden. Uns fehlte die erste Bindungszeit. 10 Tage war ich mit ihm auf der Kinderstation, ich im Wochenbett von allen Schwestern nicht beachtet, da ich “nur” die Begleitperson für unseren Sohn war und gemeinsam ein kleines Zimmer mit einer anderen Mutter und ihrem Sohn geteilt. Da lag ich mit mir mein erstes Kind. Wache Nächte, die sich bis heute hinziehen. Alles so zwischen drei und acht Mal beruhigen, stillen, kuscheln. Ich bin froh um unser Familienbett und um die Unterstützung meines Mannes. Er ist beim Sohn wenn er die ersten zwei Stunden noch auf der Couch schläft, während ich Zeit für mich habe. Ab sechs Uhr morgens geht er mit ihm ins andere Zimmer und kuschelt, spielt mit ihm. Dabei ist eS jetzt schon zwei Mal passier, dass unser Sonnensohn neben ihm eingeschlafen ist. Ab halb Acht werde ich dann sehnlichst vermisst. Ich war zum Glück bisher noch nie sehr verzweifelt und kann und konnte den Schlafmangel gut ertragen, auch wenn hin und wieder Tränen flossen. Die müssen raus. Und ich glaube fest daran dass es anders wird, vielleicht auch nur anders anstrengend aber irgendwie anders.

    1. Liebe Caroline, da hattet ihr ja keinen guten Start 🙁
      Das hört sich nach guter “Arbeitsteilung” an bei euch. Das ist wichtig, nur so kann man auch auftanken. Toll, dass das so gut klappt bei euch. Meine Kleine hat sich leider fast anderthalb Jahre kaum für den Papa interessiert und ich musste fast immer ran. Das hat sich zum Glück geändert. Heute gibt es sogar Tage, an denen sie sagt: Du nicht, Mama! Geh weg! Ich schmunzele dann in mich hinein, drehe mich um, und genieße meine verdiente Pause 🙂

      Es wird anders anstrengend und mit Sicherheit auch besser!
      Danke für deinen Kommentar!

  4. Oh Gott, du sprichst mir aus der Seele! Und zwar bis vor wenigen Tagen – es ist noch keine Woche her. Meine kleine Tochter ist 1 Jahr und 9 Monate alt. Und genau das ist auch die Zeit, in der ich keine Nacht mehrere Stunden am Stück geschlafen habe. Auch ich fühlte mich nach 2 Std Schlaf beinahe wie neu geboren. Bei mir war es tatsächlich das Abstillen, von einem Tag auf den anderen, was uns geholfen hat. Ich wollte meiner Tochter die Brust eigentlich nicht nehmen, weil sie sie (nur noch) zum Einschlafen und als Beruhigung beim nächtlichen Aufwachen gebraucht hat. Aber weil die Nächte so so schlimm waren und keine Besserung in Sicht war, dachte ich letzten Donnerstag – schlimmer als mit Stillen können die Nächte auch mit brüllen nicht sein! Und siehe da – sie wird zwar noch wach, aber erstens weit nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Wochen und sie schläft auch relativ schnell wieder ein. Ich bin ein neuer Mensch!!! Man glaubt nicht, wozu man fähig ist und wie viel man ertragen kann als Mama! Auf jeden Fall weiß ich jetzt nach fast 2 Jahren ohne Durchschlafen, dass Schlafentzug tatsächlich eine Foltermethode ist! Auch mir bleibt nur zu sagen: es wird besser!
    Danke für diesen ehrlichen und bewegenden Artikel!

    1. 2 Jahre du Ärmste, und ihr alle lebt noch! Du musst eine sehr starke Frau und liebevolle Mutter sein, dass du das so lange ausgehalten hast.

      Ich sage es wirklich ungern: Bei uns wurde es auch mit dem Abstillen besser. Es gab auch eine Zeit, da dachte ich, das Stillen muss weg, ich kann nicht mehr! Letztendlich habe ich es dann doch nicht über’s Herz gebracht und nach einer Nacht den Versuch wieder beiseite geschoben (da war sie noch unter 12 Monate alt). Unsere Babys haben schon ihre Gründe dafür, dass sie so viel Nähe brauchen…
      Das Stillen hat sich bei uns dann zum Glück ganz leicht von allein erledigt, und siehe da, die Nächte wurden besser!
      Ich finde es wirklich wirklich WIRKLICH unfair, dass Stillen, etwas so Gutes für ein Baby, sich so negativ auswirken kann. Wir geben unserem Baby das Beste und werden mit Schlafentzug gefoltert. Echt gemein. Die Entscheidung zwischen Abstillen und Durchschlafen oder Durchhalten und beste (Seelen-)Nahrung geben ist wirklich schwer 🙁
      Ich freue mich sehr für dich, dass du ENDLICH wieder schlafen kannst!

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für deinen Kommentar

  5. Hallo
    Bei unseren zweiten Kind kam ich an den Rand des Wahnsinns. Er wachte alle 20-40 Minuten auf und schrie. Wir liessen alles abklären. Rannten von einem Arzt zum Nächsten. Homöopathie, Osteopahtie, Kinesiologie, Schulmedizin und Kinderspital. Schlussendlich wurde mit festgestellt, dass er zuviel Magensäure produziert. Bis die Medis anschlugen und der Spuck vorbei war dauerte es 14 Monate. Ich landete mit einem Nervenzusammenbruch im Spital. Es war die Hölle aber heute hat sich alles ausgewachsen.

    1. Liebe Manuela, vielen Dank für deine Geschichte! Ich hoffe sehr, du konntest dich gänzlich von diesen Horrornächten und deinem Zusammenbruch erholen? Gefühlte tausend Mal nachts aufwachen ist schon schlimm genug, aber dann immer begleitet von Schreien ist noch viel heftiger für das eigene Nervenkostüm. Kein Wunder, dass du zusammengebrochen bist.
      Von Vielen hört man, es sei die schönste Zeit im Leben, hach, endlich ein Baby, wie toll! Sie sind so glücklich und man selbst ist so verzweifelt. Traurig 🙁

      Zum Glück ist eure Hölle jetzt vorbei! Alles Liebe für dich, auf erholsame Nächte und starke Nerven!

  6. Huhu. Ach wie verstehe ich dich. Kind 1 war pflegeleicht,zum Glück, denn ich war gerade18 geworden. Kind zwei war schon anstrengender aber nicht extrem,zumindest heutzutage gesehen. Die Zwillinge kamen, der eine ein schreih kind, der andere pflegeleicht, zum Glück.
    Oftmals war ich kurz davor einen umzubringen….entweder den kleinen oder mich. Oft wünschte ich ihm böses, oft war ich bei arzten..dort war das Kind immer ruhig, aber man glaubte mir dennoch. Ein kleiner Sprung hätte zum Burn out geführt. Es ging bei uns 10 Monate, bis er richtig mobil wurde. Er schrie aber von 24 Stunden täglich13-16 Stunden….meine Mutter war meine einzige Unterstützung und ich bewundere ihre Ruhe den kleinen gegenüber. Kann mich erinnern das sie bei uns damals schnell ausgeflippt war. Mittlerweile sind die Zwillinge2 Jahre, wenn aber der Brüller nachts anfängt zu weinen, bekomme ich direkt herzrasen. Ich vermute das es zu sehr geprägt hat.

    1. Hallo liebe Maike, mit deinem Herzrasen kann ich mir gut vorstellen. Mir geht es ähnlich – eine schlimme Nacht und die Gefühle kommen wieder hoch. 10 Monate mindestens 13 Stunden Gebrüll? Das ist ein traumatisches Erlebnis für euch alle! Klar, dass sich das festsetzt… Ich bewundere, dass ihr das mit insgesamt 4 Kindern überlebt habt!
      Vielen Dank für deine offenen Worte! Mit Sicherheit bist du nicht die Einzige, die (Selbst-)Mordgedanken hatte, ich habe schon oft gehört: “…am liebsten an die Wand klatschen”. Schwer nachvollziehbar für Menschen, die so etwas nicht erlebt haben. Und zu wenige sprechen laut aus, wie furchtbar anstrengend das alles sein kann. Gibt es eigentlich schon Studien zum Thema Mutter-BurnOut?

      Alles Liebe für euch und vielen Dank für deinen Kommentar!

      1. Liebe Maike,
        ich verstehe Dich so vollkommen! Diese “Ich könnte dich an die Wand klatschen”-Gedanken hab ich auch ganz ganz oft gehabt. Unser Kind ist ein absolutes Wunschkind gewesen. Ist es immer noch ;o) Aber teilweise hatte ich schon ganz ganz üble Gedanken. Jetzt ist der Bub gerade 2 Jahre alt geworden und ich bin wieder schwanger. Wenn wir heute noch schlechte Nächte und Tage haben, frage ich mich, ob wir das wirklich noch ein zweites Mal uns antun wollen ;o)
        In letzter Zeit verbringe ich wieder die Abende in seinem Zimmer, damit er einschläft, obwohl er ein super Schläfer ist, eigentlich.
        Ich bewundere alle Mehrlingseltern wie dich!! Wenn ich überlege, das alles im Doppelpack zu haben… Mammamia ;o)

        Alles Liebe für euch alle!

        1. Ich muss sagen, die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, und die Angst davor, dass es noch mal so wird, oder gar schlimmer (z.B. Schreibaby) hält uns davon ab, noch mal schwanger zu werden… Ich ziehe auch meinen Hut vor allen, deren erstes Baby “besondere Bedürfnisse” hatte, und die sich dennoch trauten, ein zweites Kind zu bekommen!

          1. Ja das stimmt ich hab ja schon bei meinem Pflegeleichten ersten kind bedenken ein 2.zu bekommen vor angst es könnte anders sein😟

  7. Oh, das kenne ich sehr gut. Mein 2. Kind war ganz genauso. Das ging 11 Monate lang, dann wurde es besser. Wie ich das überlebt habe, frage ich mich heute noch. Hab auch ganz viel darüber gebloggt, das hilft. 😉

    1. Liebe Sonja, poste doch mal einen Link zu einem deiner Beiträge aus der Zeit. Mir hätte es bestimmt geholfen, das zu lesen. Danke für deinen Beitrag!

  8. Halli Hallo,
    ich war bis zum 3ten Kind totaaal verwöhnt, was das Schlafverhalten meiner Mädels anging. Beide mit 6 Wochen durch geschlafen und auch mittags schön geschlafen. Traumhaft. Tja dann kam Nummer 3. Und die schöne Zeit war vorrüber. Sie schlief die ersten Monate weder Nachts noch am Tag. Sobald sie abgelegt wurde, ging der Terror los. Das zog sich tatsächlich bis sie etwa ein Jahr alt war. Problem an dem Ganzen für mich war, dass ich nach 7 Monaten wieder arbeiten gegangen bin und den Rest der Elternzeit meinem Mann abgetreten habe. Mein Mann ist in den ersten 7 Monaten regelmäßig in die Stube zum schlafen gegangen um früh etwas fit zu sein. Mich plagte dabei aber so ein schlechtes Gewissen. Ich sah sie ja nun nicht mehr so viel. Also ist man irgendwann völlig hinüber und hat aber auch noch 2 andere Kinder die die Mama verlangen.
    Mit etwa einem Jahr wurde es besser und Käferle machte wenigstens Mittagsschlaf. Heute ist Lotti 3 3/4 Jahre alt. Es gibt KEINE Nacht, in der wir durchschlafen.
    Wir haben es aber immerhin geschafft, dass sie in ihrem Bett einschläft. Aber JEDE traumhafte Nacht, kommt sie weinend in unser Schlafzimmer, wirft sich unter meine Bettdecke und wartet bis der Papa ihr Kissen und ihre Decke geholt hat. Dann hat sie noch Durst, braucht ihr Nachtlicht, will nicht schlafen, Kann nicht schlafen, sie ist ja eigentlich schon ausgeschlafen.
    Ja irgendwann wirds besser, ich geb die Hoffnung nicht auf. Irgendwann. Spätestens mit 18 😉

    Liebe Grüße Chrissi

    1. Unsere Kleine wird auch nachts immer mal wieder wach. Wir schwören da ja auf’s Familienbett: Einmal umdrehen und rankuscheln reicht – ich hätte wirklich keine Lust, immer aufzustehen 😉 Das lässt sich mit einem Kindchen noch leicht sagen, bei dreien sieht das schon ganz anders aus…

      Danke für deine geteilte Erfahrung, liebe Chrissi!

  9. Auch im Nachhinein noch wohltuend alles zu lesen. Unser erster Sohn hat vier Jahre lang nicht geschlafen. Und ich war ein Jahr lang völlig überfordert damit, meine eigenen Bedürfnisse völlig da acta legen zu müssen. Nach einem Jahr bin ich wieder arbeiten gegangen. Obwohl ich mich heute manchmal frage, wie ich nach solchen Nächten überhaupt heil in der Schule angekommen bin, hat es mir unglaublich gut getan, wieder etwas “für mich” machen zu können. Das hat mich irgendwie aus diesem elendigen müde – schlechte Laune – schlechtes Gewissen – Kreislauf rausgenommen. Und dann kam Sohn nr. 2 und war ebenfalls ein sehr anstrengendes Kind. Ich habe ihn jeden Abend 4 Stunden gestillt! Am Stück, ohne Pause. Und das war der Zeitpunkt, an dem wir zwei große Betten zusammen geschoben haben und alle vier, wann immer es nötig war, einfach im großen Bett geschlafen haben. Natürlich meldete sich auch hier wieder das schlechte Gewissen, denn der große war ja nun mal nun schon so groß dass er gut in seinem eigenen Bett die ganze Nacht schlafen konnte. Aber er fühlte sich zurecht völlig zurück gesetzt, da ich mich abends vier Stunden lang eigentlich nicht um ihn kümmern konnte und mein Mann abends/nachts arbeitet. Dieses große Bett nutzen wir heute noch immer in stressigen Zeiten, wenn wir alle nicht nicht genug Zeit füreinander haben und es ist so wohltuend.
    Mann muss wohl einfach viel mehr auf sein Gefühl hören und sich nicht von allen Seiten verrückt machen lassen. Nur leider merkt man das oft erst zu spät. Ich wünsche allen Eltern mit solchen Nächten viel Kraft, Durchhaltevermögen und Menschen, bei denen man sich mal zwischendurch richtig auskotzen und heulen kann.

    1. Hallo Paula,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, leider ist es allzu leicht, sich verunsichern zu lassen, gerade beim ersten Kind. Warum ist das wohl so? Warum haben wir verlernt, uns selbst zu vertrauen?
      Alles Liebe für euch und auch dir noch mal eine extra Portion starke Nerven!

  10. Du sprichst mir echt aus der Seele. Ich habe 2 Töchter (4Jahre und 11 Monate). Erst kürzlich schenkte mir meine Mama ein Lavendelkissen und sagte:”Hier,für deine Schlafgestörten Kinder”. Das meinte sie natürlich nicht böse,aber leider entsprach es der Wahrheit. Meine älteste kam sogar fast alle halbe Stunde bis Sie fast 4 wurde. Ich weiß auch nicht wie ich das ausgehalten habe. Ich kenne leider fast niemanden bei dem das auch so ist und deshalb habe ich oft die Fehler bei mir gesucht. Ich habe gedacht irgendwas muss ich doch falsch machen,weil auch immer wieder gesagt wurde,dass ist ja nicht normal,da kann ja was nicht stimmen. Auf der Suche nach Lösungen stieß ich auch auf die bekannten Dinge wie diese schrecklichen Bücher und was weiß ich noch für schlaue Ratschläge. Ich habe meine erste Tochter 16 Monate gestillt und es ist danach nicht viel besser geworden. Nach dem Sie jetzt endlich gut schläft hinterfrage ich aber auch nicht mehr alles. Wie du sagst,ich habe es ja irgendwie überlebt.
    Meine 2. Tochter schlief anfangs ganz gut und ich dachte Gott sei dank,weil das War meine größte Angst. Nach wenigen Wochen wurden diese Guten Nächte(3-4 mal) weniger und schließlich kamen wir fast da an,so wie es bei der Großen war. Ein bisschen besser war es schon. Aber momentan ist es sehr schlimm und ich bin echt am Limit. Mein Mann hilft mir schon auch ab und zu,aber er muss ja auch fit sein und immer drum bitten hab ich auch keine Kraft mehr. Hilfe im Umfeld habe ich fast keine. Nur meine Mutter,die allerdings aufgrund schwerer Krankheit nicht mehr wirklich belastbar ist. Mir wurde auch schon geraten nicht mehr zu stillen,aber das soll die Lösung sein??? Für mich nicht.
    Ich werde das schon auch irgendwie überleben,aber ich unternehme tagsüber nicht mehr viel mit meinen beiden. Meine Große würde gerne mehr machen,aber ich bin einfach so erschöpft,das ich manchmal nicht mal Kraft für einen Waldspaziergang hab. Deshalb fühle ich mich auch oft schlecht und als eine schlechte Mutter.
    Ich weiß,dass das nicht stimmt,aber es ist wirklich manchmal sehr schwer.
    Es ist schön zu sehen,dass es nicht mir nur so geht.
    Liebe Grüße und viel Kraft euch allen.
    Lisa

    1. Liebe Lisa, es ist wirklich erstaunlich wie viel Kraft wir aufbringen können. Obwohl möglicherweise Abstillen hilft – du entscheidest dich dagegen. Dazu gehört viel Stärke!
      Ich glaube ja, dass es viel mehr Müttern so geht wie dir, sie sich nur nicht trauen, darüber zu sprechen. Schade, denn dann könnten wir uns wenigsten diese Selbstzweifel sparen, die ja auch sehr an der Energie nagen…

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich wünsche dir viel Kraft, und dass du mehr Unterstützung von deinem Mann bekommst, ohne darum bitten zu müssen…
      Alles Liebe, Wencke

  11. Ohje wenn ich das lese bekomme ich auch zweifel ein zweites zu bekommen.denn meine Tochter schlief von anfang an immer durch also wurde zwischen 19 uhr und 9 uhr morgens max 2 mal wach.aber es gibt auch denen hoffnung das das nächste besser schläft.:)ok muss dazu sagen sie schlief von anbeginn an in ihrem zimmer alleine sie brauchte das um ruhig zu schlafen.

    1. Liebe Katja, nur 2 Mal wach – du Glückliche! So geht es eben auch 🙂

      Vielen Dank für deinen Kommentar!

  12. Unser großer ist auch ein schlechter Schläfer. Anfangs auch alle 2 Stunden wach und gegen Ende des 1. Lebensjahres dachten wir, es wird besser und dann fingen die Nächte an in denen er um 2 oder 3 Uhr einfach ausgeschlafen war. Hat erzählt, wollte spielen… gegen 5 ist er dann meist so wieder eingeschlafen. Und um halb 7 mussten wir ihn wecken, als ich wieder arbeitete. Als er 2 wurde, ich war wieder schwanger, haben wir das Familienbett eingeführt. Seitdem er weiß, dass er einfach zu uns ins Bett krabbeln kann, ist’s besser. Oft leidet er unter nachtschreck, das nächtliche geweine zerrt fast am meisten. Seitdem der kleine da ist, steh ich auch meist so 5-6 mal auf, weil einer von beiden aufwacht. Aber wir leben total nach dem Motto “irgendwann wird’s besser”, immerhin schläft der große inzwischen immer mal wieder eine Nacht durch. Der kleine lässt mich immerhin mal 3 Stunden am Stück schlafen.
    Was mich oft sehr belastet hat, sind die Erzählungen anderer Mütter “mein 3 Wochen altes Kind schläft schon durch”, oder “waaas, der große schläft immer noch nicht durch?”… da fängt man schon sehr an seinen Mutter-Qualitäten zu zweifeln…

    1. Liebe Marie, gegen das nervenzerrende, nächtliche Geweine habe ich die Ohrstöpsel eingeführt. Dann tut das nicht ganz so weh in den Ohren und schont die Nerven.

      Wir hatten das um den ersten Geburtstag herum auch! Bis zu 3 Stunden putzmunter mitten in der Nacht! Ich kenne das auch von anderen, scheint normal zu sein 😉
      Und wie du sagst, inzwischen weiß man ja ganz gut, dass alles Phasen sind, und auch die schlimmste davon wieder vorbei geht. Das hilft beim Durchhalten.

      Alles Liebe und viel Kraft für euch, Wencke

  13. Hallo!
    Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, dass ich eine junge Mutter war. Eine harte Zeit. Viele schlaflose Nächte. Versucht nach alten Mustern alles richtig zu machen, ohne Vorkenntnisse, ohne Austausch mit anderen Müttern. Irgendwie alleine gelassen, oft ein schlechtes Gewissen. Rückblickend würde man Vieles anders machen. Vielleicht. Mit der Erfahrung, die man im Laufe der Jahre sammelte. Aber – trotz mancher Fehler, die ich in der Erziehung machte, meine Kinder entwickelten sich prächtig, keines trägt mir eine falsche Handlungsweise nach. Wichtig ist, dass die Kinder spüren, dass man sie liebt. Natürlich ist es schön, wenn man ruhig und gelassen reagiert, doch schafft man dies nicht immer. Wir, die Mütter, sind keine Maschinen und jeder von uns sind Grenzen gesetzt. Ich hatte und habe das große Glück, Enkelkinder zu hüten und bei ihnen konnte ich viel entspannter an die Betreuung herangehen und hoffentlich den Muttis ein wenig Luft zum Verschnaufen verschaffen.
    Liebe Grüße, Ursula

    1. Liebe Ursula, danke für deine Geschichte! Eine unterstützende Oma ist wirklich viel wert!
      Wir müssten uns alle viel mehr zusammentun und den “Wunsch” ablegen, alles alleine bewältigen zu wollen. Dann gäbe es sicher auch mehr Austausch mit anderen Müttern. Es tut so gut zu wissen, dass das Muttersein auch anderen Frauen manchmal schwer fällt…

      Alles Liebe, Wencke

  14. Hallo und Danke für deinen Text😋

    Just in diesem Moment haben wir unsere Tochter (2 3/4) zu uns ins Bett geholt, da sie schlecht träumt und die Nächte momentan unruhig sind. So hab ich mehr Ruhe und sie auch;-)!

    Nur um die Sache abzurunden, ich habe zwei knappe Jahre übermüdet gelebt. Mit allen Versuchen, Ratgebern und Schlafvarianten(Familienbett)…

    Geholfen hat nur die Zeit und ein langer Atem. Ich lese deine Zeilen und verstehe sie nur zu gut, keine noch so schlimme Zeit konnte es geben, wir haben und werden nie schreien lassen oder handgreiflich werden! Obwohl man und das klingt jetzt hart, an manchen Momenten erahnen konnte wie einige Situationen bei Familien eskalieren.
    Ich selbst bin recht angesehene und positiv denkende Sozialpädagogin die mit vielen Familien auf Konfliktniveau gearbeitet hat aber erst meine Tochter brachte mich zum Anzweifeln meiner eigenen Person.
    Tasche packen, dass war durchaus in meinen Gedanken und auch die “Diese Zeit müsst ihr genießen”-Sprüche haben mir mehr als einmal gereicht. Aber wie jeder guten Mami half auch mir der Austausch und die Erfahrungen von Fremden,Freunden und Gleichgesinnten 🤓.

    Darum danke für deine beruhigenden Worte und auch an die Nachredner, danke.

    liebe Grüße von Steffi (neben dem knirschenden Töchterchen liegend)

    1. Liebe Steffi, vielen Dank für dein Worte! Eine Freundin sagte mir mal “Jetzt kann ich verstehen, dass früher die Babys und Kinder misshandelt wurden. Wir machen das heute nur nicht mehr, weil wir wissen, dass es schadet”. So ist das wohl, wir alle werden mal an den Rand des Wahnsinns getrieben. Doch Dank inniger Liebe und dem Wunsch es besser und gut zu machen, halten wir durch und geben Halt statt Haue.

      Alles Liebe für euch!

  15. Ich bin ganz der Meinung meiner Vorrednerin 🙂

  16. Ich bin so froh, diesen Blog-Eintrag gefunden zu haben! Einerseits bestätigt er leider, was ich lange am meisten befürchtete: dass diese Phase noch lange, lange dauern kann, und noch schlimmer: vielleicht auch wird. Andererseits fühle ich mich dank deinem Post und den Kommentaren dazu nicht mehr alleine damit.
    Mein Baby ist sonst unheimlich pflegeleicht und entspannt, meine Beziehung immens stabil und vertrauensvoll, wir haben ausreichend finanzielle Mittel – und *trotzdem* verzweifelte ich bislang regelrecht am Mutter sein, dachte, ich würde bald durchdrehen! Nun verstehe ich aber endlich, dass das angesichts der Umstände nachts nur normal ist! Und fühle mich nicht mehr schlecht dafür, nur noch mit Hilfe durch die Tage zu kommen.
    Daher danke! Und auch allen, die hier kommentiert haben.

    1. Ich freue mich sehr, dass dir mein Beitrag und die Kommentare der anderen helfen konnte.
      Mitfühlende und verständnisvolle Grüße,
      Wencke

  17. […] mir jetzt nix mehr vor. Ich habe Blog-Posts und Kommentare anderer Mütter gelesen, allen voran hier und hier. Monate-, ja vielleicht sogar jahrelangen Nachtterror schließe ich mittlerweile nicht […]

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